Aminosäuren sind die grundlegenden Bausteine von Proteinen. Die von Hühnern aufgenommenen Proteine müssen zunächst in verschiedene Aminosäuren zerlegt werden, bevor sie vom Körper absorbiert und genutzt werden können. Ein Mangel an einer bestimmten Aminosäure beeinträchtigt die Proteinsynthese im Körper des Huhns und führt zu Wachstumsstörungen, Gewichtsverlust, körperlicher Schwäche, reduzierten Eierlegerraten sowie anderen negativen Auswirkungen, die wirtschaftliche Verluste verursachen.
Die Aminosäuren, aus denen Proteine bestehen, lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen. Die erste Kategorie umfasst Aminosäuren, die der Körper des Huhns nicht selbst synthetisieren kann – oder deren Syntheserate und -menge selbst bei vorhandener Synthesefähigkeit nicht ausreichen, um den Bedarf des Tieres zu decken; diese müssen daher über das Futter zugeführt werden und werden als **essenzielle Aminosäuren** bezeichnet. Die zweite Kategorie umfasst Aminosäuren, deren Bedarf vom Körper gering ist oder die im Körper aus anderen Substanzen intern synthetisiert werden können; diese müssen nicht über das Futter zugeführt werden und werden als **nicht-essenzielle Aminosäuren** bezeichnet.

Derzeit gelten 13 Aminosäuren als essenziell für Hühner: Arginin, Lysin, Histidin, Methionin, Cystin, Tryptophan, Phenylalanin, Tyrosin, Leucin, Isoleucin, Threonin, Glycin und Valin. Unter diesen sind Lysin, Methionin und Cystin die Aminosäuren, die bei der Formulierung von Hühnerfutter typischerweise primär berücksichtigt werden.
Neben der Einteilung in essentielle Aminosäuren ist innerhalb der Aminosäure-Taxonomie auch das Konzept der **limitierenden Aminosäuren** von Bedeutung. Dies liegt daran, dass Tiere verschiedene Aminosäuren in bestimmten, festen Verhältnissen benötigen. Ist daher eine bestimmte Aminosäure nicht in ausreichendem Maße vorhanden, kann der Körper nur einen entsprechenden Bruchteil der anderen verfügbaren Aminosäuren nutzen; der Rest geht verloren. Diese Aminosäuren – die besonders anfällig für einen Mangel sind und dadurch die Verwertung der übrigen Aminosäuren begrenzen – werden als **limitierende Aminosäuren** bezeichnet. In den bei Hühnern üblichen Mais-Sojabohnenmehl-Diäten ist Methionin die **erste limitierende Aminosäure**, während Lysin die **zweite limitierende Aminosäure** ist; daher ist bei der Futterrationierung besonderes Augenmerk auf diese beiden Aminosäuren zu legen.